Müssen Kinder draussen bleiben?

Wird die Tourismus-Branche immer kinderfeindlicher? “Nein”, heisst es unisono bei den Veranstaltern. Doch Erwachsenen-Urlaube werden in der Branche immer beliebter. Reisen für Singles, für Homosexuelle, für Unternehmer, etc. spriessen aus dem Boden.

Die öffentliche Erregung ist trotzdem immer wieder erstaunlich groß, wenn zum Beispiel wie zuletzt ein Rügener Restaurant ab 17 Uhr den Kindern bedeutet “Wir müssen draussen bleiben” oder Hapag-Lloyd Cruises bereits für 2021 ein Schiff für “Adults only” ankündigt. Natürlich sorgte das für Debatten über Kinderfeindlichkeit, was ja auch nicht vollends von der Hand zu weisen ist.

“Adults only” immer beliebter

Das sind manchmal fast zufällige Presse-Phänomene. Denn ganz ohne Presse-Echo steigerte etwa die TUI ihre Erwachsenen-Hotels von 250 vor wenigen Jahren auf stolze 400. Und dabei ist die TUI keinesfalls ein isolierter Fall, Konkurrent Thomas Cook kreierte das Label “Sunprime” für kinderfreie Hotels. DER-Touristik präsentierte stolz einen kinderfreien Katalog bei Jahn-Reisen. Und der britische Multi-Milliardär Richard Branson ließ keinen Zweifel daran, dass kein Minderjähriger auf seine geplanten Kreuzfahrtschiffe komme. Auch Fluglinien bedienen die Großen. Zumindest richteten Malaysia Airlines und auch der Discounter Air Asia X kinderfreie Zonen ein.

Der Kunde ist König

Von Diskriminierung wollen die Reiseunternehmen natürlich gar nichts wissen. Doch zuständige Stellen gaben bereits zu bedenken, dass es nicht ganz so einfach ist. Die Antidiskriminierungs-Stelle urteilt, dass Angebote mit einem expliziten Mindestalter von 16 Jahren unter Umständen rechtlich anfechtbar sein könnten. Das könne durchaus gegen den Gleichbehandlungs-Grundsatz verstoßen. Der Kinderschutzbund kritisiert eine gesellschaftliche Entwicklung, Familien auszugrenzen.

Gesamtgesellschaftliche Strömung?

Die Hoteliers nennen Erwachsenenhotels eine notwendige, zeitgemäße Spezialisierung. Der Markt werde bunter, heterogener und spezialisierter. Überhaupt seien das Einzelfälle, während ein anderer Teil der Hoteliers heute oft sogar eine Spezialisierung auf Eltern mit Kindern wählten. Allgemein würde das Umfeld sogar eher kinderfreundlicher werden. Um wohlhabende Familien zu binden, würden Hotels sogar mehr Baby-Programme als früher auflegen.

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