Die Grand Dame der deutschen Hotel-Landschaft feiert Geburtstag

Sie ist die letzte Ahnherrin der deutschen Hotellerie: Anne-Marie Steigenberger wird 90 – und mit ihr ein Teil der gleichnamigen deutschen Hotellerie.

2001 wurde Anne-Marie Steigenberger zur Hotel-Frau des Jahres gewählt. Wahrscheinlich eine Ehrung für ihr Lebenswerk. Denn bereits 1930 legte sie mit ihrem Mann den Grundstein für ihr Lebenswerk.

Ausverkauf des Reichs

Traurig: Ihr Gatte, Hotelketten-Gründer Albert Steigenberger, wurde nur 68. Was ist ihr Geheimnis für das Altwerden? „Ich bin nie spät nach Hause gekommen” , sagt sie. Allerdings war da noch mehr: Disziplin, besonders bei Arbeit und Essen.

Ein Wermutstropfen: Die Familie verkaufte das Hotel-Reich zu 99,6 Prozent an den Ägypter Hamed El Chiaty. Das Reich war zu groß, zu teuer geworden. Der Frankfurter Hof blieb der Familie. Aber die Branche hat harte Jahre hinter sich und die Steigenbergers waren nicht immer gerüstet dafür.

Wirtschaftliche Durststrecke

Gerade die Vier- und Fünf-Sterne-Hotels – das war in Paris nicht anders als in Frankfurt – hatten unter der Krise nach 2008 zu leiden. Wer früher als Spitzenkraft im Fünf-Sterne-Hotel nächtigte, beschied sich jetzt auch einmal mit einem Drei-Sterner. Profitieren konnten kleinere Hotels, nicht aber die kostenintensiven Flaggschiffe. Besonders breitgefächert war das Steigenberger-Angebot auch nicht – fast alles befand sich in deutschen Landen.

Nebensache Hotel-Reich

Der Wunsch auf internationale Ausdehnung scheiterte an der dünnen Kapitaldecke. Die weibliche Führungstruppe hatte auch nicht nur Hotel im Kopf. Eine Tochter leitet eine Marketingagentur, eine zweite betreut Tennis-Profis. Nur eine interessierte sich für Hotels.

Biografie für die Familie

So sind jetzt nur noch drei Hotels im Familienbesitz: Frankfurter Hof und Steigenberger Airport in Frankfurt und Belvedere in Davos. Die Grande Dame hat ihre Memoiren geschrieben, vor allem für ihre Nachfahren.

Nicht, dass sie dachte, das müsse die ganze Welt interessieren. Aber sie meinte, das sei ihre Pflicht. Nur, auf keinen Fall will sie einen Film über ihre Familie. Zwar mochte Anne-Marie Steigenberger die Filme über die Hoteliersfamilie um das Berliner „Adlon“. Doch so nah will sie die Kamera nicht an ihre Familie herankommen lassen.